Praxis: Ein Sommer auf der Weide: Ohne lästige Würmer!

Milde Temperaturen, Feuchtigkeit durch Regen und Tau: Jetzt fühlen sich Parasiten richtig wohl auf der Weide. Millionen infektiöser Larven besiedeln das Gras und können von den Pferden aufgenommen werden. Dagegen sollte man etwas unternehmen. Auch und gerade bei Jungpferden.

Die wichtigste Maßnahme ist das tägliche Absammeln des Pferdekots. Denn die von den Wurmweibchen im Darm des Pferdes ausgeschiedenen Wurmeier gelangen über den Kot auf die Wiese. Dort schlüpfen in wenigen Tagen Larven, die dann wiederum von den Pferden mit dem Gras gefressen werden und sich im Darm zu neuen Würmern entwickeln – nicht selten nach einer äußerst schädlichen Körperwanderung durch die inneren Organe und die Wände der Blutgefäße. Wer den Kot wegräumt, schafft damit die wichtigste Quelle der Neuinfektion aus dem Weg und beugt Parasitenbefall ideal vor. Das Entfernen des Kotes allein reicht aber nicht aus, da sich bereits aus dem Kot ausgewanderte Larven in der Umgebung befinden und als weitere Infektionsquellen dienen. Deshalb muss zusätzlich gezielt behandelt, also entwurmt werden. Hinweise dazu finden sich im ersten Teil dieser Serie.

Bandwürmer sind schwer nachzuweisen

Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass bis zu ein Drittel der Pferdebestände mit Bandwürmern befallen ist. Diese siedeln in der Darmschleimhaut am Übergang zwischen Dünndarm und Blinddarm. Sie können bewirken, dass das Gewebe stark anschwillt, so dass die Passage des Futterbreis gestört wird. Schwerste Verdauungsstörungen bis zum Darmverschluss mit heftigen Koliken können die Folge sein. Das Tückische dabei: Bandwurmeier lassen sich im Kot besonders schlecht nachweisen. Untersuchungen zeigen, dass bis zu zwei Drittel der Kotuntersuchungen falsch-negativ sind. Das bedeutet: Die Probe ergibt, dass keine Bandwurmeier gefunden wurden, obwohl das Pferd mit diesem Parasiten befallen ist. Auch im Rahmen der Kotuntersuchungen bei der sogenannten selektiven Entwurmung passiert das immer wieder. Die logische Konsequenz daraus: Gegen Bandwürmer sollte jedes Pferd prophylaktisch mindestens einmal im Jahr behandelt werden. Wer ganz sicher gehen will, erledigt das zweimal jährlich.

Tragende Stuten ohne Risiko entwurmen

Viele Pferdehalter beschäftigt die Frage, wie man tragende Stuten, Fohlen und Jungpferde entwurmen soll. Und auch Züchter haben oftmals erhebliche Bedenken, tragende Stuten zu entwurmen, weil sie einen Abort oder Schäden beim ungeborenen Fohlen befürchten. Die überwiegende Zahl der heute erhältlichen Entwurmungspräparate kann jedoch auch während der Trächtigkeit eingesetzt werden. Dies wird im Rahmen der Zulassung geprüft, dokumentiert und unter anderem auf dem Beipackzettel kommuniziert. In den wenigen Ausnahmen wird an gleicher Stelle deutlich darauf hingewiesen. Für tragende Stuten stehen in jeder Wirkstoffgruppe sichere Produkte zur Verfügung. Das ist für ein kluges Weidemanagement von großem Vorteil. Nicht  entwurmte tragende Stuten scheiden nämlich besonders große Mengen an Wurmeiern aus. Sie erkranken zwar nicht selber und wirken völlig gesund, sie kontaminieren mit ihrem Kot jedoch die Koppel für alle anderen, selbst entwurmten, Pferde. Deshalb gehören auch tragende Stuten ins Wurmmanagement hinein.

Fohlen nach der Geburt richtig entwurmen

Werden Fohlen in einem sauberen und hygienischen Umfeld geboren, kann man die erste Entwurmung relativ lange, d.h. einige Wochen, aufschieben. Unmittelbar nach der Geburt ist der Zwergfadenwurm der erste Problemparasit des jungen Pferdes. Das Fohlen kann sich mit den infektionsfähigen Larven dieses Wurms aus der Einstreu oder häufiger direkt über die Stutenmilch anstecken. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, tragende Stuten so kurz wie möglich vor der Geburt noch einmal zu behandeln. Das Fohlen wird so in eine parasitenarme Umgebung hinein geboren und kann sich auch nicht über die Muttermilch anstecken. Die erste Behandlung ist dann gegen Ende der vierten Lebenswoche empfehlenswert. Eine allzu frühe Behandlung der Fohlen ist aus zwei Gründen nicht sinnvoll. Sie reagieren während der ersten Lebenstage möglicherweise empfindlich auf Arzneimittel. Zudem ist eine völlige Parasitenfreiheit nicht erwünscht. Unter Praxisbedingungen hat es sich als vorteilhaft erwiesen, eine geringgradige Infektion zuzulassen, weil es die spätere Immunitätsausbildung fördert. Wurde die Stute hingegen nicht wie empfohlen behandelt, sollte man dies bei ihr und dem Fohlen im Verlauf der ersten Lebenswoche nachholen. Die weiteren Behandlungen und ihre Abstände hängen stark vom Geburtstermin des Fohlens und dem sich daraus ergebenden ersten Weidetermin ab.

Während die Gefahr durch Zwergfadenwürmer (mit zum Teil starkem Durchfall während der ersten Lebensmonate) allmählich abnimmt, steigt nun das Risiko für einen Spulwurmbefall. Spulwürmer können Fohlen stark schädigen: Durchfälle, Wachstumsverzögerungen und schwere Koliken sind die Folge, bis hin zum tödlichen Darmverschluss. Vor allem während des ersten Weidesommers muss daher eine Masseninfektion mit Spulwürmern unbedingt verhindert werden. Wie alle Pferde leiden auch Fohlen und Absetzer während der Sommerzeit zusätzlich unter Kleinen Palisadenwürmern.

Bandwürmer sind bei Fohlen im Allgemeinen erst ab dem dritten bis vierten Lebensmonat bedeutsam. Dann aber können sie bei dieser Altersgruppe genau so problematisch und hochgradig gefährlich sein wie bei allen anderen Pferdegruppen. Zahlreiche Studien haben das gezeigt.

In welchen Abständen Fohlen und junge Pferde dann im Weiteren behandelt werden müssen, hängt stark von den hygienischen Verhältnissen (Entmistung, Weidegröße, Besatzdichte) ab. Auch die verwendeten Produkte sind von Bedeutung und sollten mit dem Tierarzt besprochen werden.

Als Faustzahlen für Entwurmungen können folgende Werte dienen:

  • bis Ende des ersten Weidesommers: alle vier Wochen
  • bis zum Ende des zweiten Weidesommers: alle sechs bis acht Wochen
  • bis zur Mitte des dritten Lebensjahres: je nach Infektionsdruck alle acht bis zwölf Wochen.

Ab dann kann man auf die Abstände für erwachsene Pferde zurückgreifen. Begleitend wird ein Monitoring durch Untersuchungen von Kotproben empfohlen, um einen Überblick über den aktuellen Infektionsdruck und die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen zu erhalten.

Vorsicht: Für Fohlen und junge Pferde bis zum Ende des vierten Lebensjahres ist die selektive Entwurmung nicht geeignet. Das Risiko einer Fehldiagnose aus der Kotuntersuchung ist zu groß, und die Folgen wären gerade für wachsende Pferde dramatisch.

Fazit: Auch Fohlen können bedarfsgerecht und ohne Risiko entwurmt werden.

Zusatzinformation

Was kann die Kotuntersuchung und was kann sie nicht?

Kotuntersuchungen sind ein wichtiges Hilfsmittel, um sich eine Orientierung über den Parasitenbefall eines Pferdes zu beschaffen. Doch die Aussagekraft von Kotuntersuchungen trifft auch auf Grenzen. Das liegt in der Biologie der Parasiten begründet. So können Pferde trotz geringer Zahlen von Parasiteneiern im Kot hochgradig verwurmt sein. Denn die Wurmeier werden von den weiblichen Würmern nicht permanent, sondern schubweise und unregelmäßig ausgeschieden. Außerdem werden nicht alle Entwicklungsstadien erfasst. Vor allem ein einzelnes Kotuntersuchungsergebnis ist daher mit Vorsicht zu interpretieren. Im Zweifelsfall sollte man deshalb lieber einmal mehr als einmal zu wenig behandeln. Bessere Ergebnisse liefern dagegen Sammelkotproben von mehreren Tagen. Auch durch wiederholte Kotuntersuchungen steigt die Aussagekraft der Ergebnisse. Die Tendenz, mehr oder weniger Eier auszuscheiden, ist möglicherweise von Pferd zu Pferd verschieden. Nach neueren Untersuchungen zu kleinen Strongyliden scheint dies eine tiertypische individuelle Eigenschaft zu sein, die über viele Jahre und oftmals lebenslang konstant bleibt.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)  www.bft-online.de

Foto: AQHA

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