In Memory of Alan Jacob – an seinem 5. Todestag

Alan Jacob

 

Alan M. Jacob verstarb heute vor  5 Jahren im Alter von 77 Jahren in einem Seniorenheim in Speyer. Der gebürtige Kalifornier galt als einer der Pioniere bei der Verbreitung der Quarter Horses in Deutschland. Mit seinem Rodeo USA brachte er den Europäern den Rodeosport und somit einen Teil der amerikanischen Kultur nahe. In Otterberg/Pfalz in der Geißenmühle ließ er sich schließlich mit seiner Frau Eva nieder, gründete die American Horse Farm. Dort tummelten sich in der rodeo-freien Zeit Cowboys und Pferdeliebhaber. Später halfen er und seine Frau Eva bei der Gründung der DQHA und setzten sich persönlich sehr für die Verbreitung des Quarter Horses in Deutschland ein.

Monika Dostler aus Schwäbisch-Hall schildert im Folgenden ihre erste Begegnung mit Alan Jacob vor 30 Jahren und ihre gemeinsame Zeit bei den Rodeos und auf der American Horse Farm in Otterberg. Durch ihre authentischen Aufnahmen aus seinem Umfeld, seiner Rodeowelt, bleibt uns ein Stück Geschichte erhalten.

Sicher haben einige von Euch auch ihre ganz persönliche “Alan Jacob Story”, ihn vielleicht von einer ganz anderen Seite kennen und schätzen gelernt. Wir würden uns freuen, Eure ganz eigene Geschichte zu erfahren, denn solange man an einen ganz besonderen Menschen denkt, bleibt er uns erhalten. Durch ihre authentischen Aufnahmen aus seinem Umfeld, seiner Rodeowelt, bleibt uns ein Stück Geschichte erhalten:

 

 

 

Der Urlaub des Fotografen unserer örtlichen Tageszeitung fiel im Sommer 1978 mit der Deutsch-Amerikanischen Freundschaftswoche zusammen, die alljährlich auf dem Gelände des hiesigen – mittlerweile aufgelösten – US Militärstützpunkts stattfand. Als besondere Attraktion sollte in diesem Jahr erstmals am Samstag und Sonntag eine Rodeo Show stattfinden, von der ich nun für die Zeitung einige Fotos machen sollte. Da ich bereits Erfahrung im Fotografieren von Zirkusvorführungen und Reitsportveranstaltungen hatte und langjährige, aktive Reiterin war, sagte ich zu. Ich war neugierig und interessiert, zur Abwechslung auch einmal ein Rodeo zu erleben. Also kreuzte ich (33) am Samstagmittag samt Fotoausrüstung und Sohn (12) auf dem Militärgelände auf und betrat Alan Jacobs Reich aus Arena, Zelten, Wohnwagen, Campern und Tiertransportern, das er, gut umzäunt, unmittelbar hinter dem Hangar auf dem Flugplatz aufgeschlagen hatte.

 

 

Mit dem Presseausweis in der Hand wurde ich von einem Cowboy zu ihm geführt, um mich vorzustellen. Er freute sich, dass die Zeitung über sein Rodeo berichten wollte. Dann war seine erste Frage, ob ich reiten könne. Als ich dies bejahte, dirigierte er uns zu einem der Verkaufsstände für Westernartikel, die sich auf dem Rodeo Areal befanden und kaufte uns zwei helle Cowboyhüte und meinen Sohn zusätzlich ein Paar üppig verzierte Cowboystiefel. Ich protestierte heftig und wollte die Sachen nicht als Geschenk annehmen, aber es half nichts, er lächelte charmant und meinte: „you are my guests“. Alsdann sollte ich ein Pferd besteigen, meinen Sohn hob er auf die Kruppe eines anderen, schwang sich in dessen Sattel, gab mir einige Anweisungen und ab ging’ s gemeinsam im Galopp über das weitläufige Grasland, das sonst als Flugplatz diente. Offenbar schien er mit meinen Reitkünsten zufrieden – obwohl ich vorher noch nie ‚western’ geritten war – und hatte somit meine erste Prüfung an diesem Nachmittag bestanden. Die nächste stand bereits bevor.

 

 

Bald sollte das Rodeo beginnen, es waren zwei Vorführungen geplant, die erste für 14 Uhr angesetzt. Hierfür hatte Alan sich eine besondere Überraschung einfallen lassen. In Absprache mit dem Standortkommandanten sollten zur Eröffnung der Show Fallschirmspringer über dem Rodeo Gelände abspringen und in der Arena landen. Alan war nun der Meinung, dass dies sehr spannende Fotos geben könnte, und zwar nicht nur, wenn die Fallschirmspringer aus der Luft kommend landen, sondern vor allem wenn sie aus den Chinook abspringen würden. Also wurde ich von zwei GIs in voller Montur mit aufgepackten Fallschirmen abgeschleppt, in einen Chinook Hubschrauber verfrachtet, dort in eine wattierte Weste gesteckt und mit diversen Gurten auf dem Bauch liegend an der rückwärtigen offenen Absprungklappe festgezurrt. Kopf und Schultern ragten ins Leere, die ebenfalls gesicherte Kamera in Händen, hoben wir ab. In luftiger Höhe begann dann mein Job, die Jungs, die einer nach dem anderen aus dem Helikopter sprangen,  mit der Kamera festzuhalten, bis sich ihre Fallschirme öffneten und winzig unter uns Alans Rodeo Arena sichtbar wurde.

 

 
Wieder festen Boden unter den Füßen, trat ich alsdann ins Fettnäpfchen, als ich das blutjunge Geschöpf, das Alan mit dem Namen „Eva“ rief, ihm gegenüber als „your daughter“ titulierte. „She’s my wife“ korrigierte er mich mit sichtlichem Stolz.
Dann wurde es ernst. Nachdem die Fallschirmspringer die Arena verlassen hatten, sollte mit dem Grand Entry mein eigentlicher Arbeitseinsatz beginnen. Alan wollte, dass ich mich innerhalb der Arena aufhalten und bewegen und besonders auf die Öffnung der Chutes konzentrieren sollte, um möglichst authentische Bilder von der Show zu schießen.

 

 

Da durch den Sucher der Kamera mit aufgesetztem Teleobjektiv eine realistische Einschätzung von Entfernungen nicht möglich ist, bekam ich zum Schutz zwei Clowns an die Seite gestellt, die mich in kritischen Momenten aus der Gefahrenzone holen sollten, falls ich einem Bullen oder Bronco im Weg stehen sollte, ohne es zu bemerken. Dies war einige Male der Fall und ich fand mich nach dem Schubs einer der Clowns in einer Staubwolke auf den Boden, mit heilen Knochen und verkratzter Kamera wieder.

So lernte ich Alan Jacob, seine Frau Eva und sein Rodeo USA kennen.

 

 

Natürlich kehrte ich am nächsten Nachmittag, obwohl ich meine Fotos für die Zeitung im Kasten hatte, zum Rodeo Gelände zurück: ich war infiziert. Es blieb auch nicht bei diesem ersten Rodeo Wochenende, sondern es folgten viele weitere im selben und im nächsten Jahr. Mit meinem Camper folgte ich in den Sommerferien mit meinem Sohn dem Rodeo Tross von einem US Militärgelände zum nächsten und hatte viel Spaß dabei. Ich genoss das Lagerleben, fotografierte rundum,  was mir gefiel und konnte mich mit den Cowgirls und Cowboys unterhalten und abends lange bei Westernmusik im Zelt zusammensitzen. Diese freuten sich wenn sie Fotos von mir bekamen, die sie aus der Ferne nach Hause schicken konnten. Und wenn Alan nicht gerade mit der Überwachung des Ablaufs der Show beschäftigt war, sich an heißen Wochenenden über mangelndes Publikumsinteresse oder dichte Staubwolken in der Arena Sorgen machte, wenn er zwischen den Paddocks und Chutes alles und jedes kontrollierte, kritisierte, die Cowboys lobte oder guten Rat gab und Hilfestellung leistete, seine Tiere beobachtete oder mit seinem Sheltie schmuste, dann haben wir uns ab und an auch über Themen unterhalten, die mit dem Rodeo gar nichts zu tun hatten. Dabei lernte ich ihn von einer ganz anderen Seite, nämlich als einen warmherzigen, nachdenklichen und tiefsinnigen Gesprächspartner kennen.

 

 

An freien Wochenenden fiel der gesamte Rodeo Tross in wechselnder Besetzung auf der American Horse Farm in Otterbach ein. Mit Kind und Kegel gingen seine Girls und Boys ein und aus, es herrschte ein permanentes Kommen und Gehen, ein sympathisches Chaos in dem Alan – dank Evas Organisationstalent und Einsatz im Rücken – nie den Überblick zu verlieren schien. Das Abendessen am Samstag wurde gemeinsam in der Küche eingenommen, in deren Mitte ein riesig langer Tisch stand, mit zwei ebenso langen Bänke an den Seiten. Eva am Herd, mit einigen Cowgirls zur Seite, managte bewundernswert die Abfütterung der ganzen Gesellschaft. Am Tischhaupt saß Alan, als Patron, der seine Großfamilie, Kopf an Kopf dicht auf den  Bänken aufgereiht um sich versammelt hatte. Wortfetzen und Sätze in allen Slangs des Wilden Westens flogen von einer Seite auf die andere. Alle Abenteuer und Abstürze jedes Achtsekundenritts wurden durchdiskutiert, das Verhalten jedes Broncos und jedes Bullen detailliert analysiert. Dazwischen klapperte das Geschirr, Platten vollbeladen mit dicken, saftigen Steaks, Schüsseln mit Potatoes und Chili con Carne herumgereicht. Irgendwann zu später Stunde zog sich Alan still zurück, während die Gespräche am Tisch bis tief in die Nacht hinein fortgeführt wurden.

 

 

Da ich stets als Gast behandelt wurde, hatte ich das Privileg eines eigenen Schlafgemachs. Während sich alle übrigen Anwesenden mit Schlafsack einen Gemeinschaftsschlafraum unterm Dach teilten, durfte ich in Jacks Zimmer nächtigen, der meinetwegen zu den andern ins Schlafquartier umzog. Jack Rogers war der Trick Roper der Show, der stets als “French-Canadian Cowboy” angekündigt wurde, in Wirklichkeit aber Franzose war, den es auf wundersame Weise zum Rodeo verschlagen hatte. Er war ein lieber Kerl, ein kleines Männchen, das überaus hübsch  kleinformatige Ölbilder malen konnte: Indianer und Büffel, Cowboys und Pferde. Das machte er auch in Paris, wonach er immer Heimweh hatte und wohin er im Winter zurückkehrte. Sonntags ging es auf der Farm sehr lebhaft zu.

 

 

Als erste Stärkung gab es zum Frühstück üppige Maispfannkuchen von denen Butter und Sirup tropften und dazu schwarzen Kaffee aus großen Kannen. In der Eingangshalle lagerten scheinbar wild, nach einem für mich undurchschaubaren System Sättel, Zaumzeug, Stiefel, Taschen und Klamotten. Draußen im Round Corral, der sich außerhalb, hinter den Stallungen befand, wurden Pferde eingeritten und Stuten gedeckt. Ställe wurden gemistet und Pferde gestriegelt, Sättel auf Hochglanz gebracht, Arbeiten, wie sie in jedem Reitstall anfallen. Ich bekam ein gesatteltes Pferd und meist ritt ich mit Begleitung stundenlang durch die weitläufige Wald- und Wiesenlandschaft hinter der Farm auf deren Weiden Rinder und Mustangs grasten.

 

 

Berufsbedingt wurde mein Kontakt zu Alan und seinem Rodeo in den Folgejahren spärlicher und riss um 1982 leider ganz ab. Erst im Sommer 1986 gab es nochmals ein freudiges Wiedersehen. Er war gerade sechzig Jahre alt geworden, die Scheidung von Eva lag hinter ihm und er hatte seinen Führerschein gemacht. Da er sich beim Fahren noch nicht ganz sicher fühlte, bat er mich ab und an, ihn in seiner neuen dunkelblauen Mercedes Limousine zu chauffieren. In dieser Zeit erzählte er mir viel aus seinem Leben, aus seiner Zeit in Japan, sprach über Kunst und vieles mehr und offenbarte sich als sehr sensibler Mensch mit großer Lebenserfahrung. So ist er mir im Gedächtnis geblieben.

 


Den Cowboyhut, den er mir damals geschenkt hat, habe ich bis heute aufbewahrt.

 

 

 

 

 

Herzlichen Dank an Monika Dostler für ihre Eindrücke und die tollen Fotos aus den 70iger Jahren: (www.artwork-marketing.de, www.modo-art.de)

 

1 Kommentar zu In Memory of Alan Jacob – an seinem 5. Todestag

  1. Das war ein Bericht über Alan Jacob, so wie ich ihn kannte, mein erstes Rodeo mit ihm war in Mainz, 1978 oder ’79, mein und sein letztes war kurz vor seinem Tod, ich konnte ihm helfen, einen Rodeoplatz in Baumholder zu beschaffen.
    Aussen rauh, innen sensibel und feinsinnig. Den langen Tisch in der Küche habe ich gut in Erinnerung.
    Rest in peace dear friend.

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