Alan M. Jacob – Wegbereiter der Westernpferde in Deutschland

Alan Jacob

An einem ganz gewöhnlichen Tag im Jahre 1971 kam über den Radiosender eine Suchmeldung, welche die Person ausfindig machen sollte, die ein nahezu schrottreifes Flugzeug auf der Landebahn des Frankfurter Flughafens hinterlassen hatte. Dem Flughafenpersonal war nur bekannt, dass dieses Flugzeug Pferde aus Amerika mitbrachte, deren Spur samt der ihres Besitzers bis nach Otterberg in der Pfalz verfolgt werden konnte. Nun, was hat diese Radiomeldung mit Westernpferden zu tun, werden sich einige fragen. Nun, an diesem Tag war Alan M. Jacob und mit ihm die ersten Quarter Horses in Deutschland gelandet.

 

Viele, die erst seit kurzem in der Westernreitszene etabliert sind, werden diesen Mann nicht kennen. Und doch ist seine Person von unschätzbarem Wert für die Zucht und Existenz des American Quarter Horse in Deutschland.

Und wie kam dieser Cowboy, der am 16. Mai 1926 in San Fransisco geboren wurde und auf einer Cattle Ranch in der Nähe von John Day/Oregon aufwuchs nach Deutschland? Durch Rodeos! Er veranstaltete sie jahrelang selbst. Eine seiner ersten Touren 1970 ging nach Italien, Frankreich und der Schweiz. Bereits damals wurden einige der Rodeopferde verkauft, in ganz Europa, aber vor allem nach Deutschland. Dort fand er auch seine Frau, Eva Kade, mit deren Hilfe er 1971 den Hof in Otterberg inkl. 35 ha Land gefunden hatte. Er ließ sich nieder und nannte seine Ranch American Horse Farm, importierte jahrelang Pferde aus Amerika und züchtete mit seinen eigenen Hengsten.

 

 

Zu den ersten Quarter Horse Hengsten die Alan Jacob nach Deutschland holte, gehören u.a. der bereits 1970 importierte Bulls Billy Van– einer der Gründerhengste der Quarterhorse – Zucht in Deutschland. Damals 2-jährig und aus Texas stammend. In seinen besten Tagen wohl das schnellste Pferd, das Jacob je geritten hatte und mit vollem Einsatz bei der Rinderarbeit. Bulls Billy Van lebte bis ins hohe Alter auf der American Horse Farm, deckte mit Ende 20 noch regelmäßig Stuten und erfreute sich seines Lebens. Leider kannte ich den Hengst nicht in seiner Glanzzeit, sondern nur fast blind, was auf eine Infektionskrankheit zurückging.

1975 importierte das Ehepaar Jacob das erste Cuttingpferd – Vons Boy – einen Hengst mit mehr als beachtlichen 50 Reiningpunkten. 1978 folgte Ole Man Luck, das erste AAA Race Quarter Horse, ein Sohn des berühmten Ole Man. 1980 kam der erste AQHA Champion – Steppin’ Style (von Big Style)– und gewann unter Reinhold Bartmann in Halter-, Reining- und Western Riding Klassen.

 

Aller Anfang ist schwer

Wenn man im Rückblick die Zeit Anfang der 70er vor Augen hat, stellt man sich die Frage, wie Jacob es schaffte, einer dem Deutschen Warmblut zugetanen Reitbevölkerung, diese Exoten nahe zu bringen. Viele kannten ein amerikanisches Westernpferd doch nur aus John Wayne-Filmen. Nun, Alan Jacob war der erste mit American Quarter Horses auf der Equitana 1972. Bereits drei Jahre später, 1975 wurden dort schon 7 oder 8 Westernpferde vorgestellt.

Jacob trainierte seine Pferde und stellte sie westerngeritten vor. Nicht selten standen eben jene Großpferdereiter, die zu Beginn einer Show noch über die kleinen Pferde mit den riesigen Sätteln und der lustigen Kostümierung des Reiters lachten, nach der Show bei ihm und wollten wissen, wieso sein Pferd so gut mit der Hinterhand schafft, wie funktioniert der Stopp, der Spin. Ich selbst kann mich noch an meine erste Begegnung mit ihm erinnern. Damals war ich vielleicht 8 oder 9 Jahre alt und Alan Jacob stellte im Rahmen eines Volkshochschulkurses „Pferde & Reiten“ einen seiner Quarterhengste unter dem Sattel vor. Für alle Zuschauer ein „Aha-Erlebnis“ wie leicht doch dieses Pferd mit nur 2 Fingern am langen Zügel geht und wie der stoppt und dreht. Hierzulande kannte man doch nur springen und beizäumen.

 

Doch wirkliche Kaufinteressenten waren schwer zu finden. Westernturniersport gab es nicht, für den üblichen Springsport waren diese Pferde zu klein und für ein Wochenendpferd wollte der reitende deutsche Bürger nicht so viel Geld ausgeben. Sicher, damals war der Import noch billiger, aber der Dollar stand hoch und ein Pferd für 12.000 DM zu verkaufen bedeutete für die American Horse Farm ein Festessen mit Feier. Natürlich fanden auch einige American Quarter Horses ihren Einzug in deutsche Ställe. So zählen die Gräfin von Papenheim, die Gräfin Arco-Zinnen, Frau Dr. Kade – die Mutter von Eva Jacob, Kurt Lissner, die Gebrüder Zollmann und Dr. Simon zu den erste Quarter Horse – Käufern.

 

Rodeo USA

Rodeo USA darf im Zusammenhang mit Alan Jacob nicht unbeachtet bleiben. Hat doch der Mann, dessen ganzes Leben von Pferden bestimmt wurde, schon immer als oberstes Ziel den Deutschen und Europäern das Interesse an „western life and western culture“ näher zu bringen. Rodeo – der Sport, der in seinem Heimatland USA seine Wurzeln hat, soll eine Brücke schlagen zur Deutsch-Amerikanischen Freundschaft. 1971 gründete Alan Jacob die E.R.C.A. European Rodeo Cowboy Assosiation – mit dem Ziel den Rodeosport in Europa zu fördern und aktiv Rodeos auszurichten. Die damals erste und einzige „Western Riding Assosiation“ in Europa zählte gerade mal 167 Mitglieder. Mitglieder der E.R.C.A. sind alle Amateure, im Gegensatz zu Rodeo-Cowboys in den USA, die ihren Lebensunterhalt davon bestreiten können.

 

 

Das Alan Jacob mit seinem Bestreben, die amerikanische Kultur und den Rodeosport nach Europa zu bringen und Anhänger zu gewinnen, auf viele offene Ohren und Gleichgesinnte traf, zeigen die Mitgliederzahlen. In über 30 Jahren seit Bestehen des Vereins zählen über 30.000 Cowboys/Cowgirls europaweit zu den aktuellen oder ehemaligen Mitgliedern. Allein die Mitgliederzahl von über 500 in Deutschland ist beachtlich. In der Tat ist es ein Meeting der Kulturen auf einem Rodeo. Waren doch früher die Reiter fast alle stationierte amerikanische Soldaten, so findet man heute auch sehr viele Deutsche. Auch und vor allem unter den Cowgirls in den Disziplinen Barrel Race und Pole Bending sind sehr viele Deutsche anzutreffen.

Kein Wunder hier, dass Alan Jacob Mitglied der Hall of Legends of the E.R.C.A ist.

 

Und die Anfänge der deutschen Quarter Horse Zucht?

Ein echter American Cowboy wie Alan Jacob ist natürlich bestrebt die Zucht des American Quarter Horse in Deutschland zu fördern. Nach den ersten harten Jahren mit Quarter Horses in Deutschland entschloss man sich 1975 zur Gründung der DQHA.

Dass deren Anfänge ebenso schwer und chaotisch waren wie manch andere Anfänge der Gründung eines Vereines, ist kein Wunder.

 

 

Zu einem Treffen bezüglich dieses Vorhabens kamen eigens Ronny Blackwell, Tom Finley – als damaliger Präsident der AQHA, sowie ein Vertreter vom Landwirtschaftsministerium in Washington – Fred Lege – aus den Staaten angereist. Es folgten ein Vortrag und auf die Frage der Deutschen, wie denn eine AQHA –vergleichbare Vereinigung in Deutschland gegründet werden soll, nur die Antwort, dass man dies schon selbst wissen müsste. Daraufhin entflammte eine heiße und laute Diskussion u. a. auch um den Namen der Organisation. Einige der ersten Quarter Horse – Käufer, so z. B. die Gräfin von Papenheim, verließen schweigend diese Diskussion und waren nie mehr gesehen.

 

Nach vielen Versammlungen und endlosen Diskussionen war denn doch eine Einigung möglich und ein erster Vorstand der DQHA gebildet. Dazu gehörten u.a. Lissner, Geier, Schleiermache, Zollman und natürlich Alan Jacob. Seine Frau Eva repräsentierte als Voting Director die DQHA auf Treffen in Amerika. Mit wie viel Idealismus das Ehepaar Jacob die Förderung des American Quarter Horse in Deutschland unterstützte, zeigt die Tatsache, dass Eva ihren Posten als Voting Director selbst finanzierte – Reisekosten, Hotelübernachtungen usw. – da die DQHA kein Geld hatte.

 

 

Dass diese chaotischen und ziellosen Anfänge irgendwann einmal in solch einer großen Organisation mit Megaevents und unzähligen Züchtern und Trainern endet, hätte sich keiner der Gründer gedacht. Nicht umsonst wurde Alan Jacob am 10. Februar 2001 in Bremen aufgrund seiner Bemühungen um die Förderung der Rassen in den vergangenen 25 Jahren in der Hall of Fame der DQHA aufgenommen.

 

Und heute?

Nach dem die Anfänge der DQHA gemacht waren, ist wohl allen Freunden und Kennern der Rasse deren Entwicklung zum heutigen Stand bekannt.

 

 

Auch Alan Jacob züchtete noch jahrelang Quarter Horses, vereinzelt auch Appaloosas und Paint Horses. Über die Jahre hatte er viele Hengste bekannter Blutlinien. Dazu zählen ohne Zweifel COLONEL GOOD TIMES ein Colonel Freckles – Sohn, der nach jahrelangem Privatbesitz mittlerweile einem kleinen Quarter Horse – Züchter in der Nähe von Alan Jacob gehört und ab 2004 wieder offiziell im Deckeinsatz steht.

Gut kann ich persönlich mich noch an den Paint Hengst SORRENOS WARRIOR erinnern, der auch irgendwann in hohem Alter starb.

Dann besaß Alan noch den kleinen schwarzen Quarterhorse – Hengst ANDY POCO, vielfach King und Three Bars – gezogen. Ein Sohn dieses Hengstes, Andy Poco Bar – ein bildhübscher buckskin – Hengst mit traumhaft langem schwarzem Behang, stand bei Steffen Breug im Training und wurde auf kleineren und größeren Turnieren geshowt. Ein weiterer Andy Poco Sohn ist der vielen bekannte Painthengst Passionate Andy.

Auch wenn er gegen Ende seines Lebens Gesundheitlich schon sehr angeschlagen war, kämpfte Alan Jacob nach wie vor für den Erhalt der Rasse, des Sports und der Kultur aus Amerika. Alan war ein Promoter und Wegbereiter des „Western Way of Life“, der Kultur des amerikanischen Westens und der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Sein riesiger Bekanntenkreis ging weit über die Pferdeszene hinaus und schloss auch Clint Eastwood mit ein. In den 11 Jahres, welche er in Tokio verbrachte, arbeitete er als Radioreporter des NBC, schrieb in New York für Architektur-Magazine und hatte seine Hand in Italien in Italo-Western mit drinne.

Alan Jacob starb am 21.10.2003 in einem Seniorenheim in Speyer nach langem Lungenkrebsleiden. Er wurde zwar regelmäßig behandelt, hatte einen OP dennoch immer abgelehnt. Bis zuletzt war er täglich von Freunden und Bekannten umgeben.

 

 

Was aus der American Horse Farm seitdem wurde?

Norbert Klein, der Mann, der ihm auch in den letzten Jahren beim Pferde- und Deckgeschäft zur Seite stand, hat mit Andy Poco Bar, einem wunderschönen buckskin QH-Sohn von Andy Poco, die Quarter Horses auf der Ranch gelassen. Seit Herbst 2006 versucht zudem eine Frau aus Otterberg mit „Diana´s Horsefarm“ den American Way of Life wieder auf die American Horse Farm zu bringen.

Herzlichen Dank an Carmen Adamietz für diese brillianten Ausführungen über Alan Jacob´s Lebenswerk. Weiterhin möchte ich mich bei Andrea Geyer vom E.R.C.A. für diese wertvollen Aufnahmen bedanken, die sie uns freundlicherweise zur Verfügung stellte (Fotos: Rodeo Photography by Wes Gentry/Willem Driessen Photo/The Netherlands)

 

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